Teilchenphysiker aus amerikanischer Elite-Universität kommt nach Göttingen (20.04.2008)
Die Göttinger Teilchenphysik, die sich seit Oktober 2006 im Aufbau befindet, kann einen neuen Erfolg verzeichnen. Mit der Berufung von Herrn Dr. Markus Klute zum Universitätsprofessor ist es der Universität Göttingen gelungen, einen jungen Wissenschaftler mit internationaler Erfahrung und Ruf in der Teilchenphysik für sich zu gewinnen.
Nach Auslandsaufenthalten am Europäischen Zentrum für Elementarteilchenphysik (CERN) in Genf und dem Fermi National Accelerator Laboratory (Fermilab) in Chicago war er in den letzten Jahren als leitender Wissenschaftler am renomierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, tätig. Er hat sich dort vor allem mit der Suche nach dem bislang unbeobachteten Higgs-Boson, dem Aufbau eines Grid-Computer Zentrums und der Entwicklung von schneller Elektronik zur Auslese der hochkomplexen Großexperimente der Teilchenphysik beschäftigt. Der Georgia-Augusta ist es mit Unterstützung durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gelungen, ein äußerst attraktives Angebot zu unterbreiten und sich somit gegen die internationale Konkurrenz exzellenter Universitäten durchzusetzen. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat im Rahmen ihres Programms "Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland" rund 100.000 Euro an Berufungsmitteln dazu beigesteuert. Prof. Klute, Jahrgang 1975, ist durch diese Berufung einer der jüngsten Professoren in der Teilchenphysik in Deutschland.
Die im Oktober 2006 von Prof. Dr. Arnulf Quadt etablierte Göttinger Teilchenphysik ist bisher am DØ-Experiment in der Proton-Antiproton Streuung am Tevatron in Chicago und am ATLAS-Experiment in der Proton-Proton Streuung am Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf beteiligt. Der LHC soll im Sommer 2008 beim Forschungszentrum CERN in Genf in Betrieb gehen. Dieser neue Teilchenbeschleuniger befindet sich 100m unter der Erdoberflächen, besitzt eine Länge von 27 Kilometern und wird mit Kollisionsenergien im Bereich von Teraelektronenvolt der leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger der Welt sein. Von den Experimenten am LHC werden fundamentale Entdeckungen erwartet, die das derzeitige Verständnis der Materie und ihrer Wechselwirkungen erweitern, vielleicht sogar revolutionieren werden. Die Göttinger Gruppe ist stark in die internationale ATLAS Kollaboration eingebunden. In kürzester Zeit ist es gelungen, Mitglied des Forschungsschwerpunktes BMBF-FSP 101-ATLAS des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu werden. Der Forschungsschwerpunkt wird vom BMBF im Zeitraum 2006 bis 2009 mit insgesamt etwa 20 Mio. Euro gefördert. Außerdem war die Göttinger Teilchenphysik bei der erfolgreichen Einwerbung von 25 Millionen Euro Fördermitteln der Helmholtz-Allianz HA-101 “Physik an der Teraskala” beteiligt. In diesem nationalen Forschungsverbund bilden 17 Universitäten, 2 Helmholtz Forschungszentren und ein Max-Planck-Institut eine strategische Allianz mit dem Ziel der verstärkten Vernetzung und Zusammenarbeit der Teilchenphysik in Deutschland.
Herr Prof. Klute wird die bestehende Arbeitsgruppe im II. Physikalischen Institut in Göttingen erweitern und sich mit der Fragestellung nach dem Ursprung der Massen von Elementarteilchen befassen. Im Standardmodell der Elementarteilchenphysik wird die Massengebung von Elementarteilchen durch den Higgs-Mechanismus erklärt. Ähnlich wie ein Löffel in Honig eine Trägheit erhält, erhalten die Elementarteilchen im Higgs-Feld ihre Masse. Sollte dieser Mechanismus in der Natur realisiert sein, müsste man das Higgs-Feld anregen können, wodurch die Existenz eines bisher unentdeckten Teilchens, des so genannten Higgs-Bosons, vorhersagt wird. Das ATLAS-Experiment am LHC hat großes Potenzial, die Wechselwirkungen von massiven Elementarteilchen mit dem so genannten Higgs-Boson zu entdecken. Die Suche und spätere Vermessung des Higgs-Bosons mit Daten des ATLAS-Experiments wird Schwerpunkt Arbeitsgruppe in Göttingen sein. Außerdem wird sich Prof. Klute am GoeGrid-Ressourcen-Zentrum, das am 13. Mai 2008 feierlich eröffnet wird, beteiligen. GoeGrid wird von interdisziplinären Partnern aus der Medizin und Bio-Informatik, Text- und Geisteswissenschaftlern der Staats- und Universitätsbibliothek, der theoretischen Physik und der Teilchenphysik der Universität Göttingen gemeinsam aufgebaut und betrieben und aus der D-GRID Initiative des BMBF finanziell gefördert.
Prof. Klute hat diese Woche, zu Beginn des Sommersemesters 2008, seinen aktiven Dienst als Professor und Hochschullehrer an der Georg-August-Universität Göttingen begonnen.
